Traditionell, individuell und magisch – die Küstenstadt Brighton

Hallo ihr Lieben 🙂

Heute gibt es nach langer Zeit mal wieder einen kleinen Bericht zu unserem letzten Städtetrip. Meine Reisereportage zu Thailand wird selbstverständlich auch noch folgen: Endlich habe ich nämlich wieder Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern. Die Bachelorarbeit ist abgegeben und die erste mündliche Prüfung (von zweien) habe ich auch geschafft – endlich wieder ein kleines Stückchen Freiheit! 😀 Genau das war auch der Anlass für unseren letzten Kurzurlaub. Die vergangenen Monate hatte ich das Gefühl, als fiele mir die Decke auf den Kopf. Nach jedem Arbeitstag stundenlang am Schreibtisch zu sitzen und wissenschaftliche Bücher zu wälzen geht auf die Dauer ganz schön an die Substanz. Ich wollte einfach mal wieder „raus hier“ und abschalten können. Gerade deshalb sollte es auch kein Ort werden, an dem hektisches Treiben herrscht: Paris, London oder auch deutsche Städte wie Berlin kamen demnach schon mal nicht in Frage. Vor längerer Zeit hatte mein Freund die in Südengland gelegene Küstenstadt Brighton vorgeschlagen. Anfangs war ich davon gar nicht so richtig angetan, aber je mehr ich mich mit der Stadt beschäftigt hatte, desto eher wollte ich dorthin.

Der Ort stand also schon mal fest. Die nächste Frage lautete: Wie möchten wir reisen: Mit dem Flugzeug oder dem Auto? Von Köln aus kann man mit dem Auto inklusive einer zweistündigen Fahrt auf einer Fähre nämlich schon innerhalb von sechseinhalb Stunden nach Brighton gelangen. Letztendlich haben wir uns jedoch für Flüge entschieden. Mit dem Auto zu reisen ist natürlich mit einer gewissen Anstrengung verbunden – vor allem dann, wenn am Zielort Linksverkehr herrscht. Leider mussten wir feststellen, dass weder von Köln noch von Düsseldorf Flüge nach London Gatwick angeboten werden („früher“ bot easyJet entsprechende Flüge an, mittlerweile sind diese aber nur noch von Berlin und München aus möglich). Sofern ihr also die Wahl habt, entscheidet euch unbedingt für diesen Flughafen (Brighton befindet sich nur etwa 30 Minuten davon entfernt). Alle anderen Varianten sind mit einem gewissen Aufwand verbunden. So also auch bei uns: Hinwärts flogen wir von Köln aus nach London Stansted, zurück von Heathrow nach Düsseldorf. Durchgeführt wurden die Flüge von Eurowings/Germanwings, insgesamt 90 Euro haben sie uns pro Person gekostet. Über den Preis kann man selbstverständlich nicht meckern, allerdings war keiner der Flüge pünktlich und beim Basic-Tarif gibt es während des Fluges nicht einmal etwas zu trinken. Sofern einen das nicht stört, kommt man allerdings ganz gut von A nach B. Selbstverständlich mussten wir uns dann auch noch um den Transport vom Flughafen zum Hostel und auch andersherum kümmern. Hierfür fanden wir online eine relativ günstige Möglichkeit: Die Busse von National Express fahren euch günstig und bequem innerhalb von vier Stunden von London Stansted nach Brighton beziehungsweise innerhalb von zweieinhalb Stunden von London Heathrow an die Küstenstadt. Wir haben pro Person insgesamt 70 Euro gezahlt, hätten es aber vermutlich weitaus günstiger bekommen, sofern wir früher gebucht hätten.

Übrigens: Wegen unseres verspäteten Fluges und der Einreisekontrolle in London, die erfahrungsgemäß eine halbe Ewigkeit dauert, haben wir in London Stansted unseren gebuchten Bus verpasst. Wir mussten uns jedoch glücklicherweise keine neuen Tickets kaufen. Für eine Umbuchungsgebühr von 2,50 Pfund pro Person konnten wir mit dem nächsten fahren. 🙂

Was die Unterkunft anbelangt, haben wir uns für ein Doppelzimmer im HostelPoint Brighton entschieden. Für uns war das absolut ausreichend, da wir uns weder bei längeren Reisen noch bei Kurztrips lange auf dem Zimmer aufhalten. Wer sich jedoch etwas mehr Luxus verspricht, ist dort nicht richtig aufgehoben. Bei der Vielzahl an Hotels in Brighton sollte allerdings für jeden Bedarf etwas dabei sein. Besonders hervorheben möchte ich jedoch noch die tolle Lage des Hostels: Es ist direkt am Brighton Pier gelegen und bietet die Möglichkeit, alles bequem per Fuß zu erreichen.

Dort angekommen fühlten wir uns direkt wohl: Die Sonne strahlte und der Wind trieb die Meeresluft Richtung Land. Allein das versetzte mich bereits in Urlaubsstimmung und ich konnte es kaum erwarten, die Stadt zu erkunden.
Für den ersten Tag stand nicht allzu viel auf dem Programm: Wir schlenderten über den Brighton Pier, der sich direkt über der Nordsee befindet und mit zahlreichen Essensständen, Restaurants und Achterbahnen aufwartet. Für mich hat der Ort nahezu etwas Magisches: Vor allem wenn die Sonne untergeht, die Schriftzüge leuchten, die Möwen ihre Runden ziehen und die hohen Wellen auf das Festland treffen, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Bereits zu diesem Zeitpunkt habe ich Brighton in mein Herz geschlossen und wusste, dass es ein paar tolle Tage werden. Übrigens ist gerade das eines der Dinge, das mich am Reisen fasziniert: Bei jedem Ort, an dem ich bisher war, hatte ich direkt innerhalb der ersten paar Minuten so ein Gefühl. Beruhigt mich die Szenerie, macht sie mich nervös? Wie ist die Stimmung generell? Fühle ich mich „angekommen“ oder eher so, als gehöre ich hier nicht her? Noch interessanter ist es meiner Meinung nach, wie sich dieses Empfinden von Person zu Person unterscheidet. Aber ehe ich abschweife, kann ich kurz und knapp festhalten: Brighton war auf jeden Fall mein Place to Be für die nächsten Tage. Im Anschluss aßen wir noch – wie es sich gehört – Fish and Chips im Harry Ramsdens. Gut geschmeckt hat es dort und die Bedienung war sehr freundlich, noch viel mehr kann ich euch aber das Bardsley’s empfehlen: Der Fisch war wirklich phänomenal und die Portionen für den Preis wirklich mehr als angemessen. Übrigens hatte man in den Restaurants, was Fish and Chips anbelangt, mindestens die Wahl zwischen Cod und Haddock. Wir haben beides probiert und ich persönlich fand den Cod um einiges besser, aber das ist ja immer Geschmackssache. 🙂 Im Anschluss fielen wir gut gesättigt einfach nur noch ins Bett, schließlich hatten wir ja auch eine ganz schön lange Reise hinter uns.

Am nächsten Morgen dann die erste Enttäuschung: Wir hatten uns vorgenommen, an den weißen Klippen, den Seven Sisters, zwischen Eastbourne und Seaford wandern zu gehen. Darauf hatten wir uns am meisten gefreut. Beim Blick aus dem Fenster fanden wir allerdings ein tristes, in Grau gehülltes Brighton vor. Na klasse. Wir wussten natürlich, dass das Wetter dort alles andere als beständig ist, aber musste es gerade an diesem Tag so sein?! Nach einem kurzen Frühstück im Hostel und einem Snack-Einkauf im nächstgelegenen Supermarkt beschlossen wir dennoch, uns auf den Weg zu machen. Vielleicht würde das Wetter ja besser werden und wer weiß schon, wie es am nächsten Tag aussieht? Unser Wanderweg sollte in Seaford beginnen, sodass wir vom Bahnhof in Brighton den Zug nehmen mussten. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten und für das Kombiticket (Hin- und Rückfahrt) zahlt man gerade mal 4,90 Pfund. Und siehe da: Gerade in Seaford angekommen, begann das Wetter besser zu werden. Ehe ich mich überhaupt auf die Klippen einstellen konnte, war ich hin und weg von dem Ort. Die hübschen, gepflegten Häuschen und der Blick auf das Meer werden von kleinen, süßen Cafés und Restaurants stimmig abgerundet, während die Klippen unmittelbar vor der Haustür liegen und durch die zahlreichen Wanderwege die Flucht in die Natur ermöglichen. „Wenn ich mir vorstellen könnte, woanders zu leben, dann hier.“, dachte ich. Wir gingen am Strand spazieren und sahen schon aus der Ferne die atemberaubenden Klippen aus dem Wasser ragen. Eine stundenlange Wanderung stand uns bevor und ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie beruhigend und befreiend dieser Weg sein würde. An manchen Stellen hatte ich ein beklemmendes Gefühl, findet man doch zahlreiche Bänke mit eingravierten Namen von Verstorbenen vor und weiß man, dass Beachy Head – die Landspitze, die unmittelbar an die Seven Sisters anschließt – oftmals zum Suizid dient. Nichtsdestotrotz ist der Ort aufgrund der atemberaubenden Natur definitiv einen Besuch wert: Sowohl die Kreidefelsen als auch das Meer leuchten bei Sonneneinstrahlung und garantieren eine Szenerie, die man für unwirklich halten mag. Auf den Wanderwegen begegnet man kaum anderen Menschen, Kühe und Schafe grasen auf weitläufigen Feldern und hin und wieder findet man urige Hütten und tolle Strandabschnitte vor. Wer ein Auge für die Natur hat und wieder zu sich selbst finden möchte, kann mit einer ausgiebigen Wanderung in der Gegend nichts falsch machen. Ich würde am liebsten direkt wieder hin! 🙂

Nach vier bis fünf Stunden gingen wir völlig erschöpft Richtung Seaford zurück. Da wir noch genügend Zeit hatten, bis der nächste Zug zurück nach Brighton kam, gingen wir noch in ein süßes Café, das von außen einen guten Eindruck auf uns gemacht hatte. Der Church Lane Room ist – wie sich hinterher herausgestellt hat – das Nummer Eins Café in Seaford, möchte man den Berichten auf Google Glauben schenken. Wir waren jedenfalls absolut begeistert: Es gab einen Nutella Brownie und einen unfassbar leckeren Kaffee Mocha. Wie wir durch Zufall erfahren haben, kommt der Besitzer sogar aus Deutschland, lebt jedoch bereits seit einigen Jahrzehnten in England. Er war wirklich sehr herzlich und freundlich zu uns und hat uns einige Orte aufgeschrieben, die wir in Brighton unbedingt besucht haben müssen. Darüber waren wir wirklich sehr dankbar, schließlich sind es gerade die Insider-Tipps, die in der Regel am besten sind. 🙂

Nach dieser kleinen Stärkung fuhren wir also zurück nach Brighton, machten uns im Hostel kurz frisch und schon ging es Richtung The Bath Arms – ein uriger Pub im Herzen der Stadt, den uns der Cafébesitzer empfohlen hatte. Von der Location waren wir vom ersten Moment an absolut begeistert: Genau SO stelle ich mir einen Pub in England vor. 🙂 Die Burger dort waren sehr lecker und die Bedienung total freundlich: Wir durften sogar mehrere Biere ausprobieren, ehe wir uns für eines entscheiden mussten, schließlich hatten wir von den entsprechenden Marken keinerlei Ahnung. Besonders empfehlen können wir das Whitstable Lager, aber das ist ja wie immer Geschmackssache. 😛 Um etwa 21 Uhr waren wir bereits auf dem Heimweg: Wir waren müde, unsere Füße taten weh und schließlich wollten wir morgen auch noch den letzten Tag unseres Kurztrips genießen.

Für die letzten Stunden in Brighton nahmen wir uns vor, noch einmal ausgiebig und vor allem gut zu frühstücken (im Hostel war das Frühstück nämlich zugegebenermaßen alles andere als reichhaltig und gut, aber für den Preis darf man auch nicht allzu viel erwarten). Wir entschieden uns für das Café Coho, auf das ich im Rahmen eines Reisevlogs einer YouTuberin aufmerksam geworden bin: Für mich gab es Pancakes mit Bacon und Ahornsirup – eine vielleicht etwas ungewöhnlich scheinende Kombination, aber absolut lecker! Im Anschluss schlenderten wir durch The Lanes, das Shopping-Paradies in Brighton. Besonders gut daran gefallen hat mir, dass sich dort nicht nur Läden befinden, die ohnehin jedermann kennt. Nein, vielmehr konnte man dort kleine, individuelle Shops entdecken, die nicht nur mit ihrer Fassade, sondern auch dem Innenraum überzeugten. Wer ein Auge für tolle Basteleien oder außergewöhnlichen Schmuck hat, ist dort absolut richtig aufgehoben. Mein Lieblingsladen war das Two Feathers, ein kleiner Shop mit Indianerschmuck, Räucherstäbchen und sonstigen Accessoires – absolut einzigartig und auf gewisse Weise geheimnisvoll. Wer sich die Zeit in den Lanes nimmt, kann gegebenenfalls auch kleinere Märkte in den engen Straßen entdecken. Die Atmosphäre war wirklich sehr besonders, sodass ich mich letztendlich sowohl im ländlichen Gebiet als auch im Stadtzentrum rundum wohlgefühlt habe. 🙂

Ehe es mit dem Bus wieder Richtung Flughafen ging, haben wir – wie soll es auch anders sein 😀 – noch einmal Burger bei Bill’s gegessen. Ich habe mich für den Buttermilk Chicken Burger mit Süßkartoffel-Pommes entschieden und was soll ich sagen: Ich habe selten so einen guten Burger gegessen! Schaut also unbedingt dort vorbei, wenn ihr mal in Brighton seid. 🙂

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich in der Stadt ein wenig mein Herz verloren. 😀 Für mich hat sie einfach etwas ganz Besonderes (und ich wollte ursprünglich nicht einmal dorthin!). Vielleicht konnte ich euch ein wenig für den Ort, der die Natur mit tollen Bauten und ganz viel Charme vereint, begeistern. Stattet der Stadt doch mal einen Besuch ab, ihr werdet nicht enttäuscht sein. 🙂

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