Sardinia – or: how to cure your wanderlust and find yourself

Lange ist es her seit ich meinen letzten Blogbeitrag online gestellt habe. Die Gründe hierfür waren ganz unterschiedlicher Natur: Letztendlich war es eine Mischung aus einigen privaten Angelegenheiten und der zugegebenermaßen fehlenden Motivation zum Schreiben. Ich habe hin und her überlegt, wie ich hier nun wieder einsteigen könnte. Mir persönlich ist es wichtig, hier auf meinem Blog auch einmal über Dinge zu schreiben, die weniger angenehm sind – denn seien wir mal ehrlich: Nicht immer läuft alles glatt im Leben und ich sehe keinen Grund dafür, alles beschönigen zu müssen. Zwar werde ich keine Details aus meinem Privatleben erzählen, allerdings möchte ich sehr gerne mit euch teilen, was meine Gedanken in einer doch recht schweren Zeit zu Beginn des Jahres waren und wie ich es geschafft habe, wieder völlig positiv gestimmt und unbeschwert mein Leben zu genießen. 🙂

Als ich etwa 18 war, entdeckte ich bereits das Reisen für mich. Vor allem das alleinige Bereisen ferner Länder war für mich einfach die beste „Therapie“. Für manche mag das komisch klingen und ich gebe euch natürlich dahingehend recht, dass das gemeinsame Erkunden neuer Orte mit dem richtigen Travel Buddy unheimlich viel Spaß macht. Der Vorteil daran ist vor allem, dass man die gemeinsamen Erlebnisse auch noch lange später zusammen Revue passieren lassen kann. Trotzdem war es vor allem das Alleinreisen, das mich im Leben weitergebracht und mir immer ein Stück mehr dazu verholfen hat, mich selbst zu finden.

Als ich nach dem Abitur mein Au Pair Jahr gemacht hatte, habe ich innerhalb dieser Zeit einige Reisen in den USA alleine unternommen. Manche Ziele von mir waren für die anderen Au Pairs einfach nicht interessant. Eine Reise dorthin deshalb sausen zu lassen, kam für mich jedoch niemals in Frage. Zugegebenermaßen kostete es mich anfangs einiges an Überwindung. Ich war gerade erst volljährig, flog alleine in eine fremde Stadt und musste mich zurechtfinden. Gerade in dieser Zeit lernte ich mich allerdings viel besser kennen: Ich merkte, dass ich mich unheimlich schwertat, auf andere Menschen zuzugehen. Ich war schüchtern, hatte Angst, etwas Falsches zu sagen und mich zu blamieren. Beim Alleinreisen war ich dann plötzlich dazu gezwungen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten: Sei es, weil ich mich verlaufen hatte oder einfach nur Tipps von Einheimischen wollte. Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel Überwindung mich das damals kostete. Doch von Gespräch zu Gespräch fiel es mir leichter und ich war schon fast überrascht, welche tollen Begegnungen auf mich warteten.

Sich anderen Menschen zu öffnen, kann eine wirklich große Bereicherung sein: So denke ich zum Beispiel bis heute an Michael zurück, ein etwa 50-jähriger Mann, der vor ziemlich genau sechs Jahren neben mir im Flugzeug saß. Ich musste von meiner Au Pair Schule in New York nach Chicago zu meiner Gastfamilie. Mein Direktflug wurde gecancelled, sodass ich letztendlich von New York nach Charlotte und von dort aus nach Chicago fliegen musste (Sinn machte das natürlich überhaupt nicht). Da der erste Flug große Verspätung hatte, hatte ich sagenhafte zehn Minuten, um in Charlotte mitten in der Nacht den letzten Flug nach Chicago zu bekommen. Bereits im Flugzeug war ich total angespannt, habe mit meinen süßen 18 Jahren fast angefangen zu heulen und dachte, ich erreiche niemals mehr meine Gastfamilie. 😀 Michael schien dies wohl gemerkt zu haben und hörte sich meine nervösen englischen Wortfetzen an, während ich nur bemüht war, Contenance zu wahren. Da er in Charlotte wohnte und oft am Flughafen war, erklärte er sich bereit dazu, der Crew Bescheid zu sagen, dass ich als erste mit ihm aussteigen dürfe und er mich daraufhin zum richtigen Gate bringt. Ich sehe uns noch heute durch den halben Flughafen rennen – unglaubliche zwei Minuten vor dem Schließen des Flugsteigs war ich dann letztendlich dort. Ich hätte mich gerne viel ausführlicher bedankt, aber Michael meinte nur: „Ich habe selbst zwei Töchter. Wenn es den beiden so gehen würde, würde ich auch wollen, dass ihnen jemand hilft.“ Michael hat damals wirklich meinen Tag gerettet und war sich dessen vermutlich gar nicht richtig bewusst. Auch die folgenden Jahre hatte ich wahnsinnig inspirierende Begegnungen mit Menschen, die mir auch heute noch so präsent sind, als wären sie gestern passiert. Alle Leute, die ich auf meinem Weg getroffen habe, haben mit zu der Person beigetragen, die ich heute bin. Soziale Kontakte waren für mich seit jeher nichts mehr Beängstigendes, sondern vielmehr etwas Bereicherndes.

Einige Zeit später reiste ich dann mit meinem damaligen Freund durch die Gegend: Sowohl Städtetrips übers Wochenende als auch lange Reisen in weit entfernte Länder waren einzigartige gemeinsame Erlebnisse, über die wir noch lange gesprochen haben. Wie ich eingangs ja bereits erwähnt habe, macht es einfach Spaß, mit dem richtigen Reisepartner neue Orte zu entdecken – und ganz nebenbei verbinden all die faszinierenden Einblicke einfach.

Anfang diesen Jahres wurde meine Welt dann allerdings ziemlich auf den Kopf gestellt: Nach der Trennung von meinem Freund folgten direkt die Abschlussprüfungen für mein Studium und die Suche nach einer neuen Wohnung begann. Wie eingangs erwähnt, gehe ich hier nun nicht auf Details ein (weil es auch einfach nichts zur Sache tut), allerdings muss man vermutlich nicht gerade über besondere Fähigkeiten verfügen, um sagen zu können, dass es mir nicht sonderlich gut ging. Ich traf mich viel mit Freunden, war viel feiern – kurzum: ich war eigentlich nur unterwegs, um mich möglichst wenig mit mir selbst beschäftigen zu müssen. Grundlegend falsch finde ich so ein Vorgehen gar nicht unbedingt, allerdings ist es meiner Meinung nach auch kein sinnvoller dauerhafter Zustand. Zu irgendeinem Zeitpunkt sollte es zur Selbstreflexion kommen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, selbst gar nicht mehr genau zu wissen, wer ich eigentlich bin und was ich überhaupt möchte. Nach einigen Umwegen beschloss ich, mich wieder voll und ganz auf mich selbst zu konzentrieren. Ein wichtiger Schritt für mich war dabei auch das Alleinreisen. Jahrelang hatte ich es nicht mehr gemacht – trotzdem buchte ich ohne groß zu überlegen eine Woche Sardinien, Villasimius. Auf die Idee kam ich beim Durchblättern eines Fotoalbums. Ich sah mich auf den Fotos als kleines Mädchen im kristallklaren Wasser schwimmen und wusste einfach: „Da will ich nochmal hin!“. Kurz vor Beginn der Reise bekam ich dann allerdings Panik. Kann ich das alles überhaupt noch alleine? Was ist, wenn was schiefgeht? Und was mache ich, wenn ich Flugangst bekomme (eine Angst, die ich scheinbar ohne Grund zum ersten Mal vor etwa zwei Jahren erfahren habe)? Auf der anderen Seite sagte ich mir: „Du bist schon mit 18 alleine durch die Gegend gereist und es hat dir nichts ausgemacht. Stell‘ dich nicht so an!“ Einige mehr oder minder ausgeprägte Panikanfälle später 😀 stieg ich dann recht nervös ins Flugzeug. Und was soll ich sagen? Sobald ich auf meinem Sitz saß, war die Angst wie weggeblasen. Ich weiß nicht, was es war – es war einfach so. Ich genoss die zwei Stunden Flug nach Cagliari und wusste bereits zu dem Zeitpunkt, dass die Reise eine ganz besondere für mich sein würde

Dort angekommen wurde ich von einem Fahrer in Empfang genommen – ich hatte den Transfer zum Hotel gebucht. Auf Sardinien ist ein Mietwagen durchaus sinnvoll und hätte ich so einen Urlaub wie all die zuvor geplant, wäre das auch meine erste Wahl gewesen. Allerdings ging es mir persönlich dieses Mal um Entspannung und darum, dass ich wieder ganz zu mir komme. Die Fahrt zum Hotel Xenia, das ich euch übrigens uneingeschränkt empfehlen kann, dauerte etwa eine Stunde. Mit dem Fahrer konnte ich mich nur sehr bedingt auf Englisch unterhalten, allerdings fiel mir direkt wieder die unbekümmerte, liebe Art der Italiener auf. Stets freundlich, hilfsbereit, lachend und mit einer ausgeprägten Liebe zum Leben, die nach außen wirkt. Der Weg dorthin war traumhaft schön: Die Serpentinen schlängelten sich durch das Gebirge und von ganz oben hatte man einen atemberaubenden Blick auf endlos scheinende Strände und das kristallklare Wasser. Am Hotel angekommen, erkundete ich direkt den überschaubaren Ort Villasimius. Verlaufen habe ich mich trotzdem direkt. 😀 Nichts hätte mich in dem Moment allerdings weniger stören können: Ich hörte die Menschen angeregt Italienisch sprechen (für mich die schönste Sprache auf der Welt), es roch nach Meer und leckerem Essen.

Ich mietete mir für die ganze Woche ein Fahrrad, um mehrere Strände problemlos erreichen zu können. Der Weg war zwar mitunter etwas lang, aber ich kann mir auch durchaus Schlimmeres vorstellen als mit dem Rad Sardinien zu erkunden und die Gegend auf sich wirken zu lassen. 🙂 Neben Punta Molentis und dem Simius Beach war vor allem Porto Giunco ein absoluter Traumstrand: Weißer, feiner Sand und türkises, klares Wasser – was will man mehr? Für mich ist es bis heute ein Rätsel, warum Menschen bei so einer Beschreibung ausschließlich an weit entfernte Orte wie die Malediven denken. Manchmal sind die schönsten Plätze auch direkt „um die Ecke“.

Die Abende ließ ich in der Regel in einem Restaurant ausklingen, bestellte das sardische Bier Ichnusa und probierte mich durch Pasta, Pizzen und Fischgerichte. Ich kann nicht behaupten, dass ich die komplette Zeit über irgendwann einmal richtig schlecht gegessen hätte. Es war einfach ein Traum. ❤

Allerdings habe ich Villasimius nicht nur zu Fuß und mit dem Fahrrad erkundet: Ich entschied mich – wie auch in jedem anderen Urlaub zuvor, sofern ich die Gelegenheit gehabt habe – für einen Ausritt. Die Maneggio Tanka bietet jeden Tag von 17 bis 19 Uhr Ausritte an, die wirklich unglaublich sind: Man gelangt an Orte, die man so niemals sehen würde. Die Ausblicke waren gigantisch und man hatte das Gefühl, eins mit den Tieren und der Natur zu sein. Ich hatte eine unfassbar schöne Zeit und da die zwei Stunden wie im Flug verstrichen sind, meldete ich mich zwei Tage später noch einmal für einen Ausritt an. 😉

Während meines Urlaubs lernte ich außerdem viele Leute kennen. Besonders begeistert und fasziniert hat mich dabei wieder die Leichtigkeit, mit der sie durchs Leben gehen – etwas, das mir die letzten Monate ein wenig verlorengegangen zu sein scheint. Vielleicht geht es der/dem einen oder anderen ja im Moment ähnlich und ich konnte euch mit diesem kleinen Reisebericht ein wenig inspirieren. Manchmal ist eine Reise in ein anderes Land nämlich nicht gleichbedeutend mit dem bloßen Erkunden des entsprechenden Ortes. Manchmal steckt viel mehr dahinter. Traut euch und reist auch einfach mal alleine – es gibt sicher das eine oder andere Ziel, das für euch interessant ist. Neben all den neuen Eindrücken könnt ihr euch auf eine ehrliche Auseinandersetzung mit euch selbst freuen. Und glaubt mir: Die ist es auf jeden Fall wert.

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3 Gedanken zu “Sardinia – or: how to cure your wanderlust and find yourself

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